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Otto Leichter

22. Februar 1897 - 14. Februar 1973

Otto Leichter wird am 22. Februar 1887 als Sohn eines Buchhalters in Wien geboren. Er wächst im Haushalt der assimilierten Familie auf, besonders seine Mutter achtet auf seinen schulischen Erfolg.

Im Wintersemester 1915/16 beginnt Leichter sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien und promoviert 1920. Seit seiner Studienzeit ist er Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Seit 1919 ist er Redakteur der Zeitschrift "Der Kampf" und ab 1925 der Arbeiterzeitung. Er arbeitet mit Otto Bauer und Oscar Pollak eng zusammen. 1921 heiratet er Käthe Leichter, 1924 kommt der erste und 1930 der zweite Sohn auf die Welt. Die Februarkämpfe 1934 werden für Leichter zum Schlüsselerlebnis.

Nicht nur die Gewerkschaften und die Partei werden verboten, sondern auch die Arbeiterzeitung, und Leichter verliert seinen Arbeitsplatz. Er und seine ehemaligen Kollegen werden per Haftbefehl gesucht. Die Redakteure treffen sich zuerst in der Wohnung der Sekretärin der Gewerkschaft der Krankenpflegerinnen und später in Kaffeehäusern.

Otto Leichter und seine Frau Käthe, das Ehepaar Pollak und Jacques Hannak und Schiller Marmorek gründen das sogenannte "Schattenkomitee". Plötzlich wird Otto Leichter auch mit seinem Judentum konfrontiert. Gemeinsam mit Pollak organisiert er die Fünfergruppe (das spätere Zentralkomitee) der Revolutionären Sozialisten Österreichs (Mitglieder sind Roman Felleis, Karl Holoubek, Franz Jonas, Ludwig Kostroun, Vorsitzender ist Manfred Ackermann).

Mit seiner Frau Käthe Leichter und den Kindern flieht er vor den Austrofaschisten in die Schweiz, kehrt aber im September 1934 zurück und wird die zentrale Figur bei der Organisation der illegalen Presse der Revolutionären Sozialisten und der Freien Gewerkschaften. In Brünn wird die Arbeiterzeitung und "Die Gewerkschaft" gedruckt und Leichter schreibt unter zahlreichen Pseudonymen für die Publikation.

Im März 1935 werden er und seine Frau festgenommen, Käthe Leichter wird nach 48 Stunden wieder entlassen, er kommt im Mai wegen mangels an Beweisen wieder frei und arbeitet weiter im Untergrund. Leichter übernimmt die Herausgabe der Wochenschrift "Gewerkschaftliche Informationen."

1938 flieht er mit aus der Tschechoslowakei eingeschmuggelten falschen Ausweispapieren nach Paris, 1940 nach Südfrankreich und schlieߟlich in die USA. Er engagiert sich weiter für die Gewerkschaftsbewegung als Exekutivmitglied des Austrian Labor Committee und arbeitete als Redakteur der "Austrian Labour Information".

Seine Frau Käthe hofft, auf legale Weise ausreisen zu können, schließlich entscheidet sie sich doch für die illegale Ausreise. Doch sie wird verraten. Der Spitzel Hans Pav scheint die Gestapo informiert zu haben. Die Gestapo droht ihre Mutter zu verhaften, würde sie sich nicht stellen. Ihre Söhne dürfen ausreisen, doch Käthe Leichter wird am 30. Mai 1938 festgenommen, schreibt noch in Haft ihre Lebenserinnerungen und kann sie ihrer Freundin Frieda Nödl übergeben, bevor sie im Jänner 1940 ins KZ Ravensbrück deportiert wird.

1942 wird sie mit 1500 Jüdinnen ermordet. 1946 kehrt Otto Leichter nach Wien zurück und arbeitet bis 1948 als Redakteur von "Arbeit und Wirtschaft" und in der Arbeiterkammer Wien. 1948 kehrt er nach New York zurück und schreibt als Korrespondent für verschiedene europäische Zeitungen und ist von 1957-1971 dpa-Korrespondent bei der UNO.

Quelle: Christian Fleck, Gefesselt vom Sozialismus: der Austromarxist Otto Leichter (1897-1973); Evelyn Lacina, "Otto Leichter" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 134-135 (abgerufen am 08.04.2015), Herbert Exenberger: Käthe Leichter auf: doew.at (abgerufen am 08.04.2015)

Anton Proksch

21. April 1897 - 29. April 1975

Anton Proksch wird am 21. April 1897 in Wien geboren, er besucht die Volks- und Bürgerschule und lernt Schriftsetzer. Ab 1919 arbeitet er als Angestellter der Gewerkschaftskommission und wird 1924 Sekretär der Jugendabteilung Freier Gewerkschaften.

Nach der Niederschlagung der Februarkämpfe 1934 wird auch er verhaftet und steht mit 27 anderen Sozialisten und zwei Kommunisten vor Gericht. Man wirft ihm "Vorbereitung zum Hochverrat" vor, auf den Anklagepunkt steht die Todesstrafe. Das austrofaschistische Regime versucht durch eine Reihe von Prozessen, die Strukturen der im Untergrund agierenden Revolutionären Sozialisten zu zerschlagen. Am 16. März 1936 beginnt der Prozess.

Mit angeklagt ist fast der gesamte Führungskader der Sozialisten, darunter sind Bruno Kreisky, Karl Hans Sailer, Otto Probst, Franz Jonas, Roman Felleis, Josef Wacke. Der Staatsanwalt beantragt für die beiden Hauptbeschuldigten Karl Hans Sailer und Maria Emhart die Todesstrafe. Da der Prozess im Ausland aufmerksam verfolgt wird, fallen die Urteile "mild" aus: Bruno Kreisky wird zu zwölf Monaten Kerker, Maria Emhart und Karl Hans Sailer zu 18 bzw. 20 Monaten Haft verurteilt. Im Juli 1936 werden alle Verurteilten im Zuge der Juli-Amnestie freigelassen.

Anton Proksch arbeitet nach seiner Freilassung wieder als Schriftsetzer. Nach Kriegsende 1945 wird er Sekretär und 1946 zum Generalsekretär des ÖGB. Von 1945-1966 ist er Nationalratsabgeordneter der SPÖ und zwischen 1956 und 1966 Bundesminister für soziale Verwaltung.

Während seiner Amtszeit wird das Sozialrecht weiter ausgebaut und das Genesungsheim Kalksburg eröffnet, dass bis heute seinen Namen trägt. In den Nachkriegsjahren war die Zahl der Alkoholkranken gestiegen. Der "Verein Trinkerheilstätte", der für sich die Einrichtung eines Genesungsheims für Alkoholkranke einsetzt, kann mit der tatkräftigen Unterstützung von Anton Proksch 1957 eine Heilstätte errichten. Unter den zwölf Gründungsmitgliedern sind u.a. auch Bürgermeister Franz Jonas, ÖGB-Präsident Johann Böhm und derPräsident des Österreichischen Arbeiterkammertages Karl Maisel.

Weiter Gedenkorte:

Nach Prokschs Tod wird ihm zu Ehren das Genesungsheim 1975 in Anton-Proksch-Insitut umbenannt.

Nach Anton Proksch ist auch die 1972 errichtete Anton-Proksch-Siedlung in der Baumeistergasse 6, 1160 Wien benannt. Mario Petrucci schuf ein Reliefmedaillon, das an Proksch erinnert.

1982 wird die zwischen 1954 und 1957 errichtete Wohnhausanlage in der Grinzinger Allee 54 (1190 Wien) in Anton Proksch-Hof umbenannt.

Quelle: Anton Proksch Institut: Gründung des Genesungsheims Kalksburg, Anton Proksch auf: dasrotewien.at (beide abgerufen am 08.04.2015)

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