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Franz Novy

28. September 1900 - 14. November 1949

Franz Novy wird am 28. November 1900 als Sohn einer politisch engagierten Ottakringer Bauarbeiterfamilie geboren. Er erlernt den Beruf des Stuckateurs. Novys Vater ist Vertrauensmann der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP).

Franz Novy tritt 1914 der SDAP bei und 1920 nimmt er als Vertrauensmann der Stuckateure bereits an Lohnverhandlungen teil. 1925 wird er Sekretär der Bauarbeitergewerkschaft und ab 1929 Vorsitzender der Wiener Bauarbeiter, ab 1932 sitzt er bis 1934 für die Sozialdemokratie im Gemeinderat.

Nach den Februarkämpfen 1934 flüchtet er in die Tschechoslowakei und engagiert sich für den Aufbau der Auslandsvertretung der österreichischen Gewerkschaften. Er reist immer wieder illegal nach Österreich ein, um den Kontakt zu den Gewerkschaftern aufrecht zu erhalten, schmuggelt die in Österreich verbotene Arbeiterzeitung ein und nimmt sogar im März 1938 bei einem Treffen der illegalen Baugewerkschafter auf der Rax teil.

1939 besetzten die Nationalsozialisten die Tschechoslowakei und Novy muss abermals fliehen. Er geht zuerst nach Stockholm und 1942 nach London. Dort wird er 1943 zum Obmann des sozialdemokratischen "Austrian Labour Club" gewählt, die sich u.a. für die Befreiung Österreichs einsetzte. Nach Kriegsende verhängen die Alliierten ein Rückkehrverbot, Novy reist nach Paris und von dort illegal nach Österreich weiter. Schließlich kommt er im Oktober 1945 in Wien an und wird sofort wegen eines Steckbriefes aus dem Jahr 1934 verhaftet. Nach einigen Interventionen wird er freigelassen.

Schon im November 1945 wird er in den Gemeinderat gewählt, ab 1946 ist er amtsführender Stadtrat für Bauwesen. Einem besonders schwierigen Posten: er musste sich um die Schutträumung in der zerstörten Stadt, aus Schutt neues Baumaterial gewinnen, die Kriegsschäden in den Straßen beheben, die öffentliche Beleuchtung, das Wasser- und Kanalnetz sanieren und neue Häuser bauen lassen. U.a. wird von Novy die Wiederherstellung des Strandbads Gänsehäufel begonnen, aber auch die Per-Albin-Hansson-Siedlung gebaut.

1946 wird Novy Vorsitzender der Gewerkschaft für Bau- und Holzarbeiter. Er stirbt im November 1949. Franz Olah wurde als sein Nachfolger gewählt.

Denkmäler und Straßennamen:

1959 wird ein Denkmal für Franz Novy in der Herbststraße 103-105 enthüllt (gestaltet von Edmund Moiret) und die zwischen 1954 und 1956 errichtete Wohnhausanlagen in der Pfenninggeldgasse 1, 2-4a nach ihm benannt.
Ein Mosaik von Rudolf Schatz (Pfenninggeldgasse 4a) erinnert an die einhunderttausendste seit der Ersten Republik übergebenen Gemeindewohnung.

Quelle: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950 Online-Edition (abgerufen am 08.04.2015)

Peter Autengruber/Ursula Schwarz, Lexikon der Wiener Gemeinebauten, Wien 2013

Franz Olah

13. März 1910 - 4. September 2009

Franz Olah wird am 13. März 1900 in Wien als Franz Ferdinand Glück als Sohn eines Unteroffiziers geboren.

Bei der Klavierfabrik Bösendorfer absolviert er seine Lehre zum Klavierbauer. Er tritt 1926 der Sozialistischen Jugend bei und wird Heimleiter der Aktionen Jugend in Not und Jugend am Werk. Im Februar 1934 wird verhaftet, allerdings mit anderen Sozialisten zu Weihnachten 1935 amnestiert.

Er lebt von nun an als Untermieter eines Zimmers in Wien, wechselt ständig seine Ausweispapiere und arbeitete für die illegale Gewerkschaftsbewegung. Um die Polizei zu verwirren, hatte Olah stappelweise Postkarten vorgeschrieben, die von Kollegen aus Pressburg nach Wien geschickt wurden. Er agiert auch unter verschiedenen Decknamen wie Emil, Holzer und Fritz.

Im März 1938 ist er beim Versuch, Österreichs Unabhängigkeit noch zu retten, kurzzeitig mit anderen auch Verhandlungspartner der Regierung Schuschnigg.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wird Olah neuerlich verhaftet und mit dem sogenannten "Prominententransport" am 1. April 1938 ins KZ Dachau deportiert. Er überlebt bis zur Befreiung 1945 in verschiedenen Konzentrationslagern. Nach Kriegsende übernimmt Olah rasch eine führende Rolle im ÖGB: 1949 wird er Vorsitzender der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter und 1950 ist er an der Niederschlagung der kommunistischen Streikbewegung beteiligt. 1955 steigt Olah zum Vizepräsidenten und 1959 zum Präsidenten des Österreichischen Gewerkschaftsbundes auf; vom März 1963 bis Ende September 1964 ist Olah Innenminister.

Er hat gute Chancen, den Parteivorsitz der SPÖ zu übernehmen. Doch Olah stolpert über die Finanzierung der "Kronen-Zeitung" und der FPÖ unter Friedrich Peter. Er unterstützt die Zeitung und die Partei mit Gewerkschaftsgeldern.

Er wird aus der SPÖ ausgeschlossen, gründet 1965 die "Demokratische Fortschrittliche Partei" (DFP), die bei den Wahlen 1966 mehr als 3% der Stimmen, aber kein Mandat erreicht, damit aber wahrscheinlich der ÖVP zur absoluten Mehrheit verhilft. Franz Olah war von 1945 bis 1948 und 1969/70 Mitglied des Wiener Gemeinderates, von 1948 bis 1961 und von 1962 bis 1964 SPÖ-Abgeordneter zum Nationalrat (von 1959 bis 1961 auch dessen Zweiter Präsident) und von 1964 bis 1966 Abgeordneter zum Nationalrat ohne Klubzugehörigkeit.

1969 wird er zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, nach seiner Entlassung zieht er sich aus dem politischen Leben zurück.

Quelle: dasrotewien.at (abgerufen am 08.04.2015),
Thomas Chorherr, 1938-Anatonomie eines Jahres, Ueberreuter, 1987

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